Hintergrundbild: Szene aus Romeo und Julia, um 1825. Illustration von John Wright. Folger Shakespeare Library. CC0 1.0.
William Shakespeare (1564-1616). Kupferstich von Johann Heinrich Lips, 1798. ZB Zürich.
Gottfried Keller bezieht sich auf einen klassischen Stoff, Shakespeares Tragödie «Romeo und Julia» von 1597. Diese spielt sich zwischen vornehmen Häusern, im städtisch feudalen Milieu von Verona ab.
Keller transportiert den Stoff in die Gegenwart und in die bäuerliche Welt der Schweiz im 19. Jahrhundert. Es ist ihm zudem wichtig, dass seine Geschichte ihren Ursprung in einem wirklichen Vorfall hat, also im Kern wahr ist.
Beide Geschichten enden tödlich. Bei Shakespeare handelt es sich um ein tragisches Missverständnis. In der Schweizer Version beschliessen die Liebenden gemeinsam, sich das Leben zu nehmen.
Auslöser: Zeitungsartikel in der Züricher Freitagszeitung Nr. 96, 3. September 1847.
Eine Zeitungsnotiz in der Züricher Freitagszeitung von 1847 regt Keller zu seiner Novelle «Romeo und Julia auf dem Dorfe» an. Er beginnt im gleichen Monat mit der Niederschrift.
Der Entwurf im Traumbuch von Gottfried Keller, 1847. ZB Zürich.
Drei Wochen später notiert er am 20. September im Traumbuch einen szenischen Einfall. Er entwirft eine kleine Szene pflügender Bauern. Die Skizze ist noch ohne Titel.
«Zwei stattliche, sonnengebräunte Bauern pflügen mit starken Ochsen auf zwei Äckern, zwischen welchen ein dritter grosser brach und verwildert liegt. Während sie die Pflugschar wenden, sprechen sie über den mittleren schönen Acker, wie er nun schon so manches Jahr brach liege, weil der verwahrloste Erbe desselben sich unstät in der Welt herumtreibe. Frommes und tiefes Bedauern der beiden Männer, welche wieder an die Arbeit gehen und jeder von seiner Seite her der ganzen Länge nach einige Furchen dem verwaisten Acker abpflügt. Indem die Ochsen die Pflüge langsam und still weiterziehen und die beiden Züge hüben und drüben sich begegnen, setzen die beiden Bauern eintönig ihr Gespräch fort über den bösen Weltlauf, führen dabei mit fester Hand den Pflug und thun, jeder, als ob er den Frevel des Anderen nicht bemerkte. Die Sonne steht einsam und heiss am Himmel.»
Keller versucht 1849 den Text in eine Versnovelle zu bringen. Er kommt nicht über sieben Strophen hinaus.
Manuskript einer Versnovelle, 1849, aus dem Nachlass. ZB Zürich.
Aus eines stromdurchzognen reichen Grundes gedehnten Feldern, Wäldern, Flur u. Moor hob eine Welle dieses Erdenrundes den breiten Rücken sonnbeglänzt empor.
nicht eine Welle, die im Kampf sich ballte, mit scharfem Grat, von weißem Schaum gekrönt, nein, die noch langsam hin und friedlich wallte als sich die Elemente ausgesöhnt.
Das Grün des Friedens kleidet ihre Lenden, ein zartes Grün von jungem Birkenhain doch von der Höhe winkt den Menschenhänden der Ernte Gold im heitern Sonnenschein.
Dort dehnen sich drei mächtige Ackerlängen, Drei Bänder, über die sanfte Wölbung hin, Wer in der Niedrung steht, sieht drüber den Himmel hängen und durch die Aehren die weißen Wolken zieh'n.
Drei Aecker, eine wahre Augenweide für jeden, der schon gführt einen Pflug die laufen nebeneinander über die Haide in grader Flucht vor unsers Auges Flug.
Auf zweien dieser Aecker, die den dritten in ihre Mitte schließen, war die Frucht die unschätzbare, eben abgeschnitten geführt schon in der Scheunen sichre Bucht
Da lagen sie gestreckt in braunen Farben, die unzähbar die welke Stoppel lieh verlassne Jugendheimath goldner Garben; der Sommermorgen überthaute sie.
Hintergundbild: Die Erstausgabe der «Leute von Seldwyla» aus dem Jahre 1856. ZB Zürich.
Es soll den Titel «Die Leute von Seldwyla» haben, und in 4–5 Charaktererzählungen bestehen, von allgemein menschlichem Inhalte, aber auf dem schweizerisch lokalen Hintergrunde […] .
Keller in einem Brief an seinen Verleger Eduard Vieweg am 15. Juni 1855. ZB Zürich.
Im Sommer 1855 glückt Keller in Berlin eine Ausführung von «Romeo und Julia auf dem Dorfe» in Prosa. Er sendet das Druckmanuskript im August an seinen Verleger Eduard Vieweg in Braunschweig. Zwischen Juli und Oktober folgen weitere Manuskripte für die geplante Novellensammlung «Die Leute von Seldwyla».
Der renommierte Verlag ist auf naturwissenschaftliche Werke spezialisiert, trotzdem erscheinen mehrere Werke Kellers bei Vieweg, so auch die «Neuere[n] Gedichte» (1851) und «Der Grüne Heinrich» (1853/54).
Keller schreibt den ersten Teil von «Die Leute von Seldwyla» in Berlin. Schreibunterlage, Frühling 1855. ZB Zürich.
Die Erstausgabe erscheint im Jahre 1856 im Vieweg-Verlag in Braunschweig. ZB Zürich.
«Die Leute von Seldwyla» erscheint im Januar/Februar 1856 in einer Auflage von 1000 Stück. Das Buch enthält fünf Novellen, mit «Romeo und Julia auf dem Dorfe» als Mittelstück. Der Novellenzyklus versammelt tapfere und humorvoll gezeichnete Charaktere in der fiktiven ländlichen Schweizer Kleinstadt Seldwyla im 19. Jahrhundert.
In den Jahren 1850 bis 1856 wechselt Keller mit seinem Verleger Eduard Vieweg (1796-1869) über 150 Briefe. Der Verleger erkennt das literarische Potential in Keller, bezahlt ihn jedoch schlecht. Kellers Nichteinhalten von Terminen führt häufig zu Konflikten. Immer wieder gibt es nervenaufreibende Auseinandersetzungen um Ablieferungstermine, Vorschüsse und Rechnungen.
Verleger Eduard Vieweg (1796-1869), Wikimedia Commons, Public Domain.
So beklagt sich Vieweg in einem Brief vom 12. Juli 1855, dass er das Manuskript «infolge einer grossen Vernachlässigung» der Handschrift von Keller nicht lesen kann. Trotzdem ist er bereit, 350 Reichstaler zu bezahlen. Auf die von Keller geforderten 400 Reichstaler geht er allerdings nicht ein.
Brief von Eduard Vieweg an Gottfried Keller vom 12. Juli 1855. ZB Zürich.
Brief von Eduard Vieweg an Gottfried Keller vom 12. Juli 1855. ZB Zürich.
Brief von Eduard Vieweg an Gottfried Keller vom 12. Juli 1855. ZB Zürich.
Im Vertrag zwischen Vieweg und Keller von 1855 ist unter anderem das Gesamthonorar von 350 Reichstalern festgelegt: 200 Reichstaler bezahlt der Verlag bei Abschluss des Vertrags und 150 Reichstaler bei Ablieferung des letzten Manuskripts. Die letzte Ablieferung muss spätestens bis Ende August erfolgen, andernfalls wird eine Konventionalstrafe von 25 Talern für jeden Monat Verzögerung erhoben.
Verlagsvertrag für «Die Leute von Seldwyla» mit Eduard Vieweg vom 15. Juli 1855. ZB Zürich.
Verlagsvertrag für «Die Leute von Seldwyla» mit Eduard Vieweg vom 15. Juli 1855. ZB Zürich.
Am 17. Dezember 1856 schliessen Keller und Vieweg einen Vertrag für einen zweiten Teil von «Die Leute von Seldwyla» ab. Diese Publikation kommt bei Vieweg allerdings nie zustande.
Vertrag zwischen Vieweg und Keller über die Fortsetzung der «Leute von Seldwyla» vom 17. Dezember 1856. ZB Zürich.
Vertrag zwischen Vieweg und Keller über die Fortsetzung der «Leute von Seldwyla» vom 17. Dezember 1856. ZB Zürich.
Notizblatt von Keller zur Fortsetzung der «Leute von Seldwyla», zwischen 1856 und 1857, evtl. bis 1874 ergänzt. Stichworte, Markierungen, verschiedene Eintragungen mit Tinte und Bleistift. ZB Zürich.
Notizblatt von Keller zur Fortsetzung der «Leute von Seldwyla», zwischen 1856 und 1857, evtl. bis 1874 ergänzt. Stichworte, Markierungen, verschiedene Eintragungen mit Tinte und Bleistift. ZB Zürich.
1873/74 erscheint die Sammlung in zweiter Auflage bei Ferdinand Weibert im Göschen-Verlag in Stuttgart. ZB Zürich.
1876 erscheint eine Miniaturausgabe von «Romeo und Julia auf dem Dorfe» in der Göschen’schen Verlagshandlung. ZB Zürich.
Vertrag für eine illustrierte Prachtausgabe von «Romeo und Julia auf dem Dorfe» vom 21. Februar 1884, zwischen Keller und der Göschen’schen Verlagshandlung. Bezüglich möglichen Künstlern ist man sich nicht einig. Die Ausgabe kommt nie zustande. ZB Zürich.
Ferdinand Weibert, Inhaber der nahmhaften Göschen’schen Verlagshandlung, sieht sich nach neuen Autoren um und wird u. a. durch «Romeo und Julia auf dem Dorfe» auf Keller aufmerksam. Die erweiterte Neuauflage der «Leute von Seldwyla» wird möglich, nachdem sich Keller aus dem Vertrag von Vieweg loskaufen kann. Die Sammlung erscheint 1873/74 in zweiter Auflage mit den ersten fünf Novellen in veränderter Abfolge und weiteren fünf Erzählungen in vier Bänden im Göschen-Verlag. Es folgt eine Einzelausgabe von «Romeo und Julia auf dem Dorfe» in Miniaturformat . Knapp zehn Jahre später kommt ein Vertrag für eine illustrierte Prachtausgabe dazu, die jedoch nie realisiert wird.
Band 4-5 enthält die Sammlung «Leute von Seldwyla», 12. Auflage 1892. ZB Zürich.
1885 folgt der Verlagswechsel zu Wilhelm Hertz in Berlin. Gottfried Kellers «Gesammelte Werke» in zehn Bänden erscheinen im November 1889.
Hintergrundbild: Der Anfang von Julia und Romeo auf dem Dorfe in chinesischer Sprache. ZB Zürich.
Gottfried Keller gehört zu den am meisten übersetzten Schweizer Autoren. «Romeo und Julia auf dem Dorfe» ist seine bekannteste und meistkommentierte Novelle. Das Werk wird schon zu Kellers Lebzeiten in viele Sprachen übersetzt. Bis heute ist es in mindestens 22 verschiedenen Sprachen erschienen.
Titelseite und Anfang der Novelle in hebräischer Sprache. ZB Zürich.
Titelseite und Anfang der Novelle in walisischer Sprache. ZB Zürich.
Titelseite und Anfang der Novelle in chinesischer Sprache. ZB Zürich.
Titelseite und Anfang der Novelle in estnischer Sprache. ZB Zürich.
Titelseite und Anfang der Novelle in steno. ZB Zürich.
Frederick Delius, porträtiert durch seine Frau Jelka Rosen Delius, 1912. Wikipedia, Public Domain.
Der Engländer Frederick Delius (1862-1934) verarbeitet den Stoff zu einer Oper, die 1907 in Berlin uraufgeführt wird.
Mindestens viermal wurde die tragische Liebesgeschichte zudem verfilmt. Der erste Film von 1941 stammt aus der Schweiz und ist in Mundart gedreht. Drei weitere Verfilmungen (1968, 1984 und 2003) werden in Deutschland produziert.
Die Novelle gehört heute zur Weltliteratur. Wie aber kommt sie damals bei Kellers Publikum an?
Unsere Schweizerblätter haben so zu sagen noch gar nicht von unserem Landsmann Notiz genommen […]. Wir haben eine Pflicht erfüllt, indem wir auf einen Dichter aufmerksam machen, dessen Zukunft noch bedeutender sein wird als sein jetziger Name […].
Leitartikel nach Erscheinen der Novelle in der Schweiz in der Eidgenössischen Zeitung am 7. April 1856.
Literaturkritiker Berthold Auerbach (1812-1882), ein damals populärer Autor von Dorfgeschichten und Herausgeber von Kalendern, trägt viel zu Kellers Berühmtheit bei.
Berthold Auerbach (1812-1882), ca. 1850. Bild: Carel Christiaan Anthony Last. Wikimedia Commons, Public Domain.
Den Durchbruch von Keller als Novellendichter bewirkt Auerbachs Rezension «Gottfried Keller von Zürich» in der Augsburger Allgemeinen Zeitung vom 17. April 1856.
Der gesunde Realismus ist die Freude an der Welt, an der wirklichen Welt, wo sich immer aus der Erkenntnis auch die Schönheit und Gesetzmässigkeiten offenbart […]. Und ein Werk dieser Freude ist das oben bezeichnete von Gottfried Keller.
Augsburger Allgemeine Zeitung vom 17. April 1856, Seite 1.
Der Schriftsteller und Journalist Karl Gutzkow (1811-1878) hingegen ist über den als kauzig empfundenen Humor irritiert.
Karl Gutzkow (1811-1878), ca. 1854. Bild: anonym. Wikimedia Commons, Public Domain.
Er schreibt 1856 in seiner Zeitschrift «Unterhaltungen am häuslichen Herd»:
Gottfried Keller ist ein Schweizer und gibt sich schon seit geraumer Zeit in unserer Literatur mit einer gewissen Sonderthümlichkeit.
Unterhaltungen am häuslichen Herd, 1856, S. 591.
Trotz grossem publizistischem Echo findet «Romeo und Julia auf dem Dorfe» nur in einem kleinen Kreis Beachtung. Der Erfolg stellt sich erst 15 Jahre später ein, als Paul Heyse (1830-1914) die Erzählung 1871 in seiner Anthologie «Deutscher Novellenschatz» veröffentlicht. Heyse erklärt Keller zum «novellistischen Talent allerersten Ranges». Später verleiht er ihm in der Deutschen Rundschau von 1877 den Ehrentitel «Shakespeare der Novelle».
Ein novellistisches Talent allerersten Ranges, ein Meister des epischen Stils von so eigenthümlicher Bedeutung, dass es schwer ist, mit den wenigen Strichen, die hier vergönnt sind, das Charakteristische seiner Art und Kunst zu bezeichnen.
Paul Heyse, ca. 1870. Foto von Loescher & Petsch. ZB Zürich.
Hintergrundbild: Der Deutsche Novellenschatz von Paul Heyse und Hermann Kurz erscheint 1871. ZB Zürich.
Als 1875 die Übersetzungen von «Romeo und Julia auf dem Dorfe» und «Das Fähnlein der sieben Aufrechten» von Georg Brandes (1842-1927) in Dänemark erscheinen, sind die Reaktionen in der Presse heftig.
Der Übersetzer Georg Brandes berichtet 1884 in einem Brief an Gottfried Keller:
Ich wurde beschuldigt «die freie Liebe» in Dänemark einführen zu wollen, die zwei Novellen wurden so verschrien, dass keine Dame sie zu kaufen wagte, ja dass der Verleger sie nicht avertiren wollte und erst in diesem Jahr sie wieder zum Verkauf angezeigt hat.
Georg Brandes (1842-1927), ca. 1885. Bild: anonym. Wikimedia Commons, Public Domain.
Brief von Georg Brandes an Gottfried Keller, Juni 1884, Seite 1. ZB Zürich.
Brief von Georg Brandes an Gottfried Keller, Juni 1884, Seite 2. ZB Zürich.
Brief von Georg Brandes an Gottfried Keller, Juni 1884, Seite 3. ZB Zürich.
Brief von Georg Brandes an Gottfried Keller, Juni 1884, Seite 4. ZB Zürich.
Brief von Georg Brandes an Gottfried Keller, Juni 1884, Seite 5. ZB Zürich.
Brief von Georg Brandes an Gottfried Keller, Juni 1884, Seite 6. ZB Zürich.
Anderen Kritikern – wie dem österreichischen Schriftsteller und Diplomaten Alexander von Villers (1812-1880) – leuchtet es nicht ein, dass sich Personen niedrigen Standes wie die Bauernkinder aus den vom Erzähler als ehrenhaft dargestellten Motiven das Leben nehmen. Das Leben von Bürgern und Bauern bietet aus seiner Sicht keinen Tragödienstoff.
In einem Brief vom 21. August 1881 äussert sich Villers ausführlich zu «Romeo und Julia auf dem Dorfe»:
Alexander von Villers (1812-1880). Nach einer Zeichnung von Heinrich Lehmann. In: Alexander von Villers: Briefe eines Unbekannten. Leipzig, Insel Verlag, 1910.
Saly und Vreeli aber - ich kann mir nicht helfen, will mir auch gar nicht helfen, denen beiden aber konnte, mein ich, mit allem Respekt vor der Poesie, geholfen werden. Sie waren weder Montague noch Capulet, noblesse ne les obligeait pas, ich sehe wirklich nirgends den tragischen Grund zum tragischen Ende, und ehe die Liebe ins Wasser geht, läuft sie sich doch erst die Füsse wund. Das wäre es, was ich natürlich gefunden hätte. [...]. Es fehlt an jedem Motiv; auch das Motiv: Furcht vor Schande nach dem Fall, fällt weg, denn der Fall kommt ihnen gar nicht in den Sinn; konnte auch nicht wirken, denn die armen Dinger hatten ja so schon gar nichts, das wie Ehre oder Ehrbarkeit aussah. [...] So bleibt nur ein Motiv: Widerwille gegen Prüfungen, gegen Ausdauer, gegen Arbeit, nach einem lustigen Tag.
Alexander von Villers
Gottfried Keller versieht seine Novelle nach der unehelichen Hochzeitsnacht und dem Tod des Liebespaares mit einigen Schlussbemerkungen, die von seinem Publikum kontrovers aufgenommen werden. Er fügt einen fiktiven Zeitungskommentar ein, der sich über die «Entsittlichung und Verwilderung der Leidenschaften» entrüstet. Er als Autor hingegen sympathisiert mit seinen Figuren und ihren Empfindungen. Nur das «niedere Volk» ist noch echter Gefühle fähig, während die «gebildeten Stände» ihre Beziehungen ebenso leichtfertig eingehen wie gleichmütig wieder lösen. Damit stösst er das zeitgenössische Publikum vor den Kopf und verletzt das sittliche Empfinden der bürgerlich-konservativen Gesellschaft.
Bereits in der Sammlung «Deutscher Novellenschatz» streicht Paul Heyse diese abschliessenden Bemerkungen. Die Geschichte endet hier damit, wie Sali und Vrenchen in die «kalten Fluten» gleiten.
In der Folge setzt sich ein Kompromiss durch. Keller verzichtet für die nächste Buchausgabe 1874 auf den kontroversen Teil seiner Bemerkungen, behält aber den fiktiven Zeitungsbericht bei. Es ist noch der heute übliche Schluss.
Links: Schussteil der ersten Buchfassung von 1856 im Vieweg-Verlag in Braunschweig. Rechts: Schlussteil der zweiten Auflage von 1873/1874 im Göschen-Verlag in Stuttgart.